Couch Potato

Wenn ich schon einen großen Teil meiner Freizeit auf der Couch vor dem Small Screen verbringe, dann lohnt sich dafür ein eigenes Blog. Ich gehörte schon immer zu denjenigen, die Fernsehen als legitimes Hobby betrachteten

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07 Februar 2007

Journalisten müssen immer schreiben ...

Zumindest müssen jeden Tag irgendwelche Journalisten eine ganze Zeitung voll kriegen.

Es geht - spoilerfrei - um Grey's Anatomy. Um einen Vorfall am Rande von Dreharbeiten, um genau zu sein. Auf dem Drehplan stand eine Szene mit drei Schauspielern: Isaiha Washington (Dr. Burke), Patrick Dempsey (McDreamy) und T.R. Knight (George). Außenaufnahmen zumal, in einem kleinen Waldstückt. Es ist einer von diesen Tagen. Washington und Dempsey sind bereit, nur Knight läßt auf sich warten. Washington fängt an zu schimpfen. Dummerweise ist Knight nun schwul (am Set kein Geheimnis, aber wiederum auch nichts, was bisher in der Öffentlichkeit breitgetreten worden war), und Washington verwendet in seiner Schimpftirade diffamierende Ausdrücke, die sich nun genau auf dieses Schwulsein beziehen. Dempsey will beschwichtigend eingreifen, es kommt zu einer erregten Diskussion, bei der es fast zum Handgemenge kommt. Natürlich wird die Geschichte nach und nach von der Regenbogenpresse in allen Einzelheiten recherchiert.
Die Dinge gehen ihren gewohnten Gang: die Meldung geht durch die Presse, es gibt eine öffentliche Entschuldigung des Übeltäters (Jesiah Washington), alle Lächeln für die Kamera, niemand wird gefeuert. Zwar diskutieren hinter verschlossenen Türen sicherlich die Verantwortlichen aufgeregt, aber dafür verdienen die schließlich auch das große Geld.
Auch das Betriebsklima habe sich nicht verschlechter, so die Showerfinderin Shonda Rhimes (vgl. das Ende des zuletzt verlinkten Artikels).

Drei Monate später ... Die Preisverleihungssaison beginnt. Für die Journalisten (die, mit den vielen täglich zu füllenden Seiten) endlich die Möglichkeit, die Schauspieler in freier Wildbahn zu erwischen. Und ihnen - die sie im schicken Smokie angetan sind und sicherlich grade bei einer Preisverleihung übergangen wurden - ein Mikro ins Gesicht zu halten, und im Interesse eines harten Journalismus unbequeme Fragen zu stellen. Washington will - derart bedrängt - am liebsten zurückrudern und verharmlost die Aktion nach Kräften und läßt sich dazu hinreißen, zu behaupten, gar nicht zu diffamierenden Beschimpfungen gegriffen zu haben. Das wiederum entspricht nicht der Wahrheit, was ihm auch schleunigst um die Ohren gehauen wird. Wieder heißt es also entschuldigen. Und - so sind die USA - Therapie, um herauszufinden, warum er denn nun zu dieser bestimmten Beschimpfung gegriffen hat. T.R. Knight - der sich bisher an eine wohl im Sinne des Arbeitsfriedens an eine von den Sender-/Produktionsverantwortlichen verhängten Maulkorb gehalten hatte - kann sich dann auch einen Kommentar nicht mehr verkneifen - zumal in der Talk-Show einer der prominetesten Schwulen der amerikanischen Unterhaltungsbranche, Ellen DeGeneres.
Wie man sieht, alle Schritte sind von der (auch durchaus seriösen) Presse gut dokumentiert - und die zweite Hälfte der Aktion hauptsächlich durch die Presse initiiert.

Hm, wenn ich mir den Artikel nochmal so durchlese: anscheinend müssen auch Blogger immer schreiben ...

[Momentan in Winamp: Kasey Chambers - Nullarbor Song]

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